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Die Hussitenkriege — als Bauern die Ritterheere schlugen

1419 · Krieg & Schlacht · Glaube & Kirche

Nach der Verbrennung des Reformers Jan Hus 1415 erhob sich Böhmen. Zwischen 1420 und 1431 zogen fünf Kreuzzüge gegen die Hussiten — und alle fünf scheiterten. Bauern und Handwerker schlugen die gepanzerte Ritterschaft des Reiches, weil sie eine Taktik entwickelten, gegen die schwere Reiterei nichts ausrichten konnte: die Wagenburg, kombiniert mit Handfeuerwaffen. Der Krieg endete nicht durch Sieg von außen, sondern durch Spaltung im Inneren.

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Konstanz 1415

Jan Hus, Prediger und Rektor der Prager Universität, kritisierte Ämterkauf, Ablasshandel und den Reichtum der Kirche. Er reiste 1415 zum Konzil von Konstanz — ausgestattet mit einem Geleitbrief König Sigismunds.

Das Geleit wurde nicht eingehalten. Hus wurde verhaftet, als Ketzer verurteilt und am 6. Juli 1415 verbrannt. In Böhmen wirkte das als doppelter Bruch: gegen den Prediger und gegen das Wort des Königs. Der Adel protestierte geschlossen, und aus einer theologischen Bewegung wurde eine nationale.

Der Fenstersturz und der Aufstand

1419 warfen Aufständische in Prag Ratsherren aus dem Fenster des Neustädter Rathauses — der Erste Prager Fenstersturz. Kurz darauf starb König Wenzel; sein Bruder Sigismund, derselbe, der Hus das Geleit gegeben hatte, sollte die Krone erben. Böhmen verweigerte sie ihm.

Die Bewegung war nicht einheitlich. Gemäßigte Utraquisten forderten vor allem den Laienkelch — die Kommunion in beiderlei Gestalt, daher das Kelchsymbol. Radikale Taboriten um die neu gegründete Stadt Tábor wollten weit mehr: Abschaffung der Kirchenhierarchie, Gütergemeinschaft, Ende der Standesordnung.

Die Wagenburg

Militärisch war die Lage aussichtslos: Bauern und Handwerker gegen Ritterheere. Der Feldherr Jan Žižka löste das Problem, indem er die Schlacht neu definierte.

Seine Truppen führten schwere, umgebaute Bauernwagen mit, die zu einer geschlossenen Stellung verkettet wurden — der Wagenburg. Dahinter standen Armbrust- und Feuerwaffenschützen, Männer mit Dreschflegeln und leichte Geschütze. Angreifende Reiterei zerschellte an dieser Stellung; anschließend brachen die Verteidiger heraus.

Zwei Dinge machten das möglich. Erstens die Handfeuerwaffe: die böhmische píšťala, aus der das Wort Pistole stammt. Sie war ungenau, aber ein Bauer konnte damit nach wenigen Wochen Ausbildung einen Ritter töten, dessen Ausbildung Jahrzehnte gedauert hatte. Zweitens die Disziplin — Žižkas Heer war ein stehender Verband mit Dienstordnung, während Ritterheere sich für jede Kampagne neu sammelten.

Žižka erblindete vollständig und führte weiter Krieg; er starb 1424 an der Pest, ohne je eine Schlacht verloren zu haben.

Das Ende durch Spaltung

Nachdem der fünfte Kreuzzug 1431 bei Taus gescheitert war — die Kreuzfahrer flohen der Überlieferung nach schon beim Hören der hussitischen Kampfgesänge — bot das Konzil von Basel Verhandlungen an.

Den Gemäßigten reichte das Zugeständnis des Laienkelchs; die Taboriten lehnten ab. 1434 schlugen die Utraquisten die Radikalen bei Lipany — Hussiten gegen Hussiten. 1436 besiegelten die Basler Kompaktaten den Ausgleich, und Sigismund wurde als König anerkannt.

Zwei Wirkungen blieben. In Böhmen bestand ein Jahrhundert vor Luther eine geduldete nichtkatholische Kirche. Und militärisch war bewiesen, dass Feuerwaffen und Disziplin das Ritterheer überflüssig machten — eine Lehre, die die Bauern 1525 ohne vergleichbare Führung nicht wiederholen konnten.

Der Erste Prager Fenstersturz 1419 als Auftakt; die Kämpfe ziehen sich bis 1436. Hus selbst wird schon 1415 verbrannt.

Häufige Fragen

Warum begannen die Hussitenkriege?

Nach der Verbrennung Jan Hus’ 1415 in Konstanz trotz königlichen Geleitbriefs erhob sich Böhmen. Der Erste Prager Fenstersturz 1419 markiert den offenen Aufstand.

Was war eine Wagenburg?

Eine Feldbefestigung aus verketteten, umgebauten Bauernwagen, hinter der Schützen und Geschütze standen. Angreifende Ritterreiterei konnte sie nicht durchbrechen.

Wer war Jan Žižka?

Der Feldherr der Hussiten, der die Wagenburgtaktik entwickelte. Er erblindete vollständig, führte weiter Krieg und starb 1424, ohne je eine Schlacht verloren zu haben.

Wie viele Kreuzzüge gab es gegen die Hussiten?

Fünf, zwischen 1420 und 1431. Alle scheiterten. Der letzte endete 1431 bei Taus mit der Flucht der Kreuzfahrer.

Wie endeten die Hussitenkriege?

Durch Spaltung. Die gemäßigten Utraquisten nahmen das Angebot des Basler Konzils an und schlugen 1434 die radikalen Taboriten bei Lipany. 1436 besiegelten die Basler Kompaktaten den Ausgleich.

Quellen

  • Basler Kompaktaten, 1436 — Ausgleich zwischen Konzil und gemäßigten Hussiten.
  • Laurentius von Březová, Hussitenchronik — Zeitgenössische böhmische Darstellung.
  • Nationalmuseum Prag — Hussitische Zeit
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