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Der Kölner Dom — 632 Jahre Bauzeit, davon 300 Jahre Pause

1248 · Kultur & Technik · Glaube & Kirche

Der Grundstein des Kölner Doms wurde 1248 gelegt, die Bauarbeiten endeten 1880 — 632 Jahre später. Dazwischen lagen rund drei Jahrhunderte, in denen gar nicht gebaut wurde: Ab 1560 stand der Torso still, auf dem unfertigen Südturm blieb ein hölzerner Baukran stehen und wurde zum Wahrzeichen der Stadt. Dass der Dom am Ende doch nach dem mittelalterlichen Entwurf vollendet wurde, verdankt sich einem Zufallsfund.

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Warum überhaupt so groß?

Der Anlass lag achtzig Jahre vor dem Baubeginn. 1164 brachte Erzbischof Rainald von Dassel Reliquien aus Mailand nach Köln, die als Gebeine der Heiligen Drei Könige galten. Köln wurde damit zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte Europas — und die bestehende Kirche war für die Pilgerströme zu klein.

1248 legte Erzbischof Konrad von Hochstaden den Grundstein für einen Neubau nach französischem Vorbild, orientiert an den Kathedralen von Amiens und Beauvais. Geplant war nicht einfach eine große Kirche, sondern die größte nördlich der Alpen.

Der Abbruch

1322 wurde der Chor geweiht und in Betrieb genommen — der funktionierende Teil war fertig. Am Rest wurde weitergebaut, aber immer langsamer. 1560 stellte der Rat die Zahlungen ein.

Die Gründe waren nüchtern: Geld fehlte, die Reformation hatte die Pilgerströme und damit die Einnahmen einbrechen lassen, und der politische Wille war weg. Was blieb, war ein Torso — fertiger Chor, halbhohe Türme, dazwischen ein provisorisches Dach.

Auf dem Südturm blieb der hölzerne Tretradkran stehen, mit dem die Steine gehoben worden waren. Er stand dort rund 300 Jahre und erscheint auf fast jeder Stadtansicht Kölns aus dieser Zeit. Der Kran war das Wahrzeichen — nicht der Dom.

Der Fund, der alles ermöglichte

Im frühen 19. Jahrhundert entdeckte man die mittelalterlichen Fassadenpläne wieder: eine Hälfte 1814 in Darmstadt, die andere 1816 in Paris. Damit lag der Originalentwurf der Westfassade vor — kein Rekonstruktionsversuch, sondern der Plan selbst.

Das traf auf eine Zeit, die genau danach suchte. Die Romantik verklärte das Mittelalter, und nach 1815 wurde der unvollendete Dom zum Symbol für die unvollendete deutsche Einheit. Preußen, seit 1815 Herr im Rheinland, förderte den Weiterbau auch aus politischem Kalkül: Ein katholischer Dom, vollendet von einem protestantischen König, war ein Angebot an die neuen Untertanen.

1842 begann der Weiterbau, 1880 war er fertig. Mit 157 Metern war der Dom für vier Jahre das höchste Bauwerk der Welt.

Krieg und Dauerbaustelle

Im Zweiten Weltkrieg wurde Köln fast vollständig zerstört; der Dom erhielt vierzehn Treffer durch Fliegerbomben und blieb dennoch stehen. Dass er zwischen Trümmerfeldern aufragte, prägte das Bild der Nachkriegszeit — er war weniger unversehrt als hartnäckig.

Bis heute wird gebaut: Die Dombauhütte beschäftigt dauerhaft Steinmetze, Restauratoren und Gerüstbauer. Der Grund ist der Baustoff — der weiche Sandstein verwittert schneller, als man ihn ersetzen kann. In Köln gilt deshalb das Sprichwort, der Dom werde nie fertig; das ist keine Koketterie, sondern eine Beschreibung des Betriebs. Seit 1996 gehört er zum UNESCO-Welterbe.

Grundsteinlegung 1248; vollendet erst 1880.

Häufige Fragen

Wie lange wurde am Kölner Dom gebaut?

632 Jahre, von der Grundsteinlegung 1248 bis zur Vollendung 1880. Davon ruhte der Bau rund 300 Jahre.

Warum wurde der Bau 1560 abgebrochen?

Es fehlte Geld. Die Reformation hatte die Pilgerströme und damit die Einnahmen einbrechen lassen, und der politische Wille zum Weiterbau war verschwunden.

Wie konnte der Dom nach dem Originalplan vollendet werden?

Die mittelalterlichen Fassadenpläne wurden 1814 in Darmstadt und 1816 in Paris wiederentdeckt. Damit lag der ursprüngliche Entwurf der Westfassade vor.

Was hatte es mit dem Kran auf dem Dom auf sich?

Auf dem unfertigen Südturm blieb der hölzerne Tretradkran nach dem Baustopp rund 300 Jahre stehen. Er war auf Stadtansichten das eigentliche Wahrzeichen Kölns.

Warum wird am Kölner Dom bis heute gebaut?

Der weiche Sandstein verwittert schneller, als er ersetzt werden kann. Die Dombauhütte beschäftigt deshalb dauerhaft Steinmetze und Restauratoren.

Quellen

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