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Das Nibelungenlied — was daran wahr ist und was nicht

1200 · Kultur & Technik

Das Nibelungenlied wurde um 1200 im Donauraum aufgeschrieben, vermutlich im Umkreis von Passau, von einem namentlich unbekannten Dichter. Der Stoff ist deutlich älter und geht auf Ereignisse der Völkerwanderungszeit zurück. Berühmt wurde das Lied aber erst nach seiner Wiederentdeckung 1755 — und im 19. Jahrhundert machte man daraus ein Nationalepos, das es nie sein wollte.

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Was erzählt wird

Der erste Teil: Siegfried kommt nach Worms an den Hof der Burgunden, hilft König Gunther mit einer Täuschung, die isländische Königin Brünhild zu gewinnen, und heiratet dafür dessen Schwester Kriemhild. Als der Betrug im Streit der beiden Frauen offenbar wird, ermordet Hagen von Tronje Siegfried an einer Quelle — die einzige verwundbare Stelle seines Rückens hatte Kriemhild ihm selbst verraten.

Der zweite Teil: Kriemhild heiratet den Hunnenkönig Etzel und lädt Jahre später ihre Brüder an dessen Hof. Was folgt, ist kein Duell, sondern eine Vernichtung: Der gesamte burgundische Hof geht unter, Kriemhild wird am Ende selbst erschlagen. Das Lied endet ohne Trost und ohne Sieger.

Der historische Kern

Hinter der Sage stehen reale Ereignisse, allerdings zeitlich weit auseinander und im Lied zusammengezogen:

Siegfried selbst hat kein gesichertes historisches Vorbild. Die Suche nach „dem echten Siegfried" hat nichts Belastbares ergeben.

Wie es überliefert ist

Der Text ist in mittelhochdeutscher Sprache in rund 2.400 Strophen verfasst. Erhalten sind über dreißig Handschriften und Fragmente; drei gelten als Leithandschriften und werden mit A (München), B (St. Gallen) und C (Karlsruhe) bezeichnet. Sie unterscheiden sich nicht nur in Details — die Fassungen setzen unterschiedliche Akzente, etwa in der Bewertung Kriemhilds.

Nach dem Mittelalter geriet das Lied in Vergessenheit und wurde erst 1755 wiederentdeckt. Die UNESCO nahm die drei Leithandschriften 2009 in das Weltdokumentenerbe auf.

Die politische Karriere eines Gedichts

Im 19. Jahrhundert suchte man ein deutsches Gegenstück zu Ilias und Odyssee — und erklärte das Nibelungenlied dazu. Aus einer Geschichte über Wortbruch, Rache und den Untergang eines Hofes wurde ein Text über „deutsche Treue".

1909 prägte Reichskanzler von Bülow im Reichstag den Begriff der Nibelungentreue für das Bündnis mit Österreich-Ungarn. Später griff die nationalsozialistische Propaganda den Stoff auf; Göring verglich 1943 die Niederlage von Stalingrad mit dem Untergang der Burgunden im Etzelsaal.

Beides ist Umdeutung. Das Lied feiert die Treue nicht, es zeigt, wohin sie führt: Hagen bleibt seinem Herrn bis zuletzt treu — und genau diese Treue vernichtet alle. Wer den Text liest statt seiner Rezeption, findet kein Heldenlied, sondern eine Katastrophe.

Ungefähre Niederschrift um 1200; der Stoff selbst ist deutlich älter.

Häufige Fragen

Wann entstand das Nibelungenlied?

Die Niederschrift erfolgte um 1200 im Donauraum, vermutlich im Umkreis von Passau. Der Stoff selbst ist mehrere Jahrhunderte älter.

Wer hat das Nibelungenlied geschrieben?

Der Dichter ist unbekannt. Er nennt sich im Text nicht, was für höfische Epen dieser Zeit ungewöhnlich ist.

Ist das Nibelungenlied historisch wahr?

Teilweise. Der Untergang der Burgunden 436 und die Figuren Etzel (Attila) und Dietrich von Bern (Theoderich) haben reale Vorbilder, sind aber zeitlich zusammengezogen. Für Siegfried gibt es kein gesichertes Vorbild.

Warum spielt Worms eine so große Rolle?

Worms ist im Lied der Hof der Burgunden. Ein Burgunderreich am Rhein mit Zentrum in dieser Gegend ist für das frühe 5. Jahrhundert tatsächlich belegt.

Was bedeutet „Nibelungentreue"?

Ein Begriff aus dem Jahr 1909 für bedingungslose Bündnistreue. Er verkehrt die Aussage des Liedes: Dort führt gerade die unbedingte Treue in den vollständigen Untergang.

Quellen

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