Gutenberg und der Buchdruck — was er wirklich erfunden hat
Johannes Gutenberg druckte um 1450 in Mainz als Erster in Europa mit beweglichen Metalllettern. Gedruckt wurde schon lange vorher — in China seit Jahrhunderten, in Europa mit Holztafeln. Gutenbergs eigentliche Erfindung war das Handgießinstrument: ein Gerät, mit dem sich tausende exakt gleich hohe Lettern rasch gießen ließen. Ohne diese Gleichmäßigkeit ergibt Satz kein sauberes Druckbild — und ohne sauberes Druckbild kein verkäufliches Buch.
Erst beim Klick wird das Video von YouTube (youtube-nocookie.com) geladen. Dabei werden Daten an Google übertragen.
Erst beim Klick wird das Video von YouTube (youtube-nocookie.com) geladen. Dabei werden Daten an Google übertragen.
Das eigentliche Problem
Bewegliche Lettern allein reichen nicht. Damit eine Seite gleichmäßig druckt, muss jede Letter exakt dieselbe Höhe haben — Abweichungen von Bruchteilen eines Millimeters führen zu blassen oder zerquetschten Buchstaben. Man braucht außerdem für einen einzigen Bibeldruck zehntausende Lettern.
Gutenbergs Lösung war das Handgießinstrument: eine verstellbare Gussform, in die eine Matrize eingesetzt wird. So lassen sich Lettern verschiedener Breite, aber identischer Höhe in großer Zahl gießen. Dazu kamen eine passende Metalllegierung aus Blei, Zinn und Antimon, die schnell erstarrt und sich nicht verzieht, sowie eine ölbasierte Druckfarbe — wasserbasierte Tinte perlt an Metall ab.
Die Presse selbst war der einfachste Teil; sie ist eine angepasste Spindelpresse, wie sie im Weinbau seit langem benutzt wurde.
Die 42-zeilige Bibel
Um 1454/55 entstand Gutenbergs Hauptwerk, die B42, benannt nach den 42 Zeilen pro Spalte. Gedruckt wurden etwa 180 Exemplare, davon rund 145 auf Papier und 35 auf Pergament — für ein Pergamentexemplar wurden die Häute von über 150 Tieren gebraucht.
Erhalten sind heute noch 49 Exemplare, viele davon unvollständig. Die Qualität des Satzes wird bis heute als handwerklicher Höhepunkt betrachtet: Gutenberg verwendete nicht ein Zeichen pro Buchstabe, sondern hunderte Varianten und Ligaturen, um das Bild einer Handschrift zu erreichen.
Wie Gutenberg seine Werkstatt verlor
Die Entwicklung verschlang Kapital. Gutenberg lieh sich Geld bei dem Kaufmann Johann Fust. 1455 forderte Fust die Rückzahlung samt Zinsen; im Prozess unterlag Gutenberg und verlor Werkstatt, Material und wohl auch die Bibelauflage. Fust führte den Betrieb mit Gutenbergs Mitarbeiter Peter Schöffer weiter — beide wurden wohlhabend.
Gutenberg druckte noch einige Jahre in kleinerem Rahmen. 1465 nahm ihn der Erzbischof von Mainz in seinen Hofstaat auf, was ihm ein Auskommen sicherte. Er starb 1468.
Was der Druck veränderte
Die Verbreitung ging schnell: Um 1500 gab es in über 250 europäischen Städten Druckereien, und es waren bereits Millionen Bände erschienen — die sogenannten Inkunabeln. Der Preis eines Buches fiel binnen weniger Jahrzehnte auf einen Bruchteil.
Die Folgen reichten weit über den Buchmarkt hinaus. Luthers Thesen verbreiteten sich 1517 binnen Wochen im ganzen Reich — ohne Druck wäre daraus eine lokale Universitätsdebatte geblieben. Zum ersten Mal konnte ein Text schneller reisen als die Obrigkeit ihn einsammeln konnte. Das ist die eigentliche Wirkung von Gutenbergs Erfindung, und sie war nicht beabsichtigt.
Häufige Fragen
Was hat Gutenberg genau erfunden?
Das Handgießinstrument, eine verstellbare Gussform für exakt gleich hohe Metalllettern. Gedruckt wurde schon vorher; ohne gleichmäßige Lettern gibt es aber kein sauberes Druckbild.
Was ist die 42-zeilige Bibel?
Gutenbergs Hauptwerk von 1454/55, benannt nach den 42 Zeilen pro Spalte. Gedruckt wurden etwa 180 Exemplare, von denen heute noch 49 erhalten sind.
Warum verlor Gutenberg seine Werkstatt?
Sein Geldgeber Johann Fust forderte 1455 die Rückzahlung des Darlehens samt Zinsen. Gutenberg unterlag im Prozess und verlor Werkstatt und Material an Fust.
War Gutenberg der erste Drucker der Welt?
Nein. In China und Korea wurde schon Jahrhunderte früher gedruckt, auch mit beweglichen Lettern. Neu war Gutenbergs Verfahren zum schnellen Gießen gleichmäßiger Metalllettern in großer Zahl.
Welche Folgen hatte der Buchdruck?
Um 1500 gab es in über 250 europäischen Städten Druckereien und Bücher wurden dramatisch billiger. Vor allem konnten Texte erstmals schneller verbreitet werden, als Obrigkeiten sie einsammeln konnten — die Voraussetzung für die Reformation.
Quellen
- Helmaspergersches Notariatsinstrument, 1455 — Urkunde zum Prozess Fust gegen Gutenberg; wichtigste Quelle zu seiner Werkstatt.
- Gutenberg-Museum Mainz
- Gesamtkatalog der Wiegendrucke (Inkunabeln)