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Der Schwarze Tod 1348 — als ein Drittel Europas starb

1348 · Glaube & Kirche · Handel & Städte

Im Oktober 1347 liefen genuesische Schiffe in Messina ein, an Bord die Pest. Binnen dreier Jahre erfasste sie fast ganz Europa und tötete schätzungsweise ein Drittel der Bevölkerung — rund 25 Millionen Menschen. Das Reich erreichte sie 1348. Was folgte, war nicht nur ein Massensterben, sondern eine Kette von Pogromen an jüdischen Gemeinden und eine dauerhafte Verschiebung der wirtschaftlichen Verhältnisse zugunsten der Überlebenden.

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Was der Erreger war — und wie man das heute weiß

Verursacher war das Bakterium Yersinia pestis. Das war lange eine Hypothese; bestätigt wurde sie durch die Analyse alter DNA aus Zähnen von Pestopfern, unter anderem aus Massengräbern in London und Frankreich. Der Erreger ist damit direkt nachgewiesen, nicht nur aus Symptombeschreibungen erschlossen.

Die Übertragung erfolgte über Flöhe, meist vermittelt durch Ratten, bei der Lungenpest auch direkt von Mensch zu Mensch. Letztere verlief fast immer tödlich und binnen weniger Tage — das erklärt, warum Zeitgenossen von Menschen berichten, die morgens gesund waren und abends starben.

Der Weg durch das Reich

Von Sizilien aus folgte die Seuche den Handelswegen: 1348 Italien, Südfrankreich und Spanien, im selben Jahr über die Alpen und den Rhein ins Reich, 1349 Mitteldeutschland und England, 1350 der Norden und Osten.

Betroffen waren vor allem Städte, wo Menschen dicht beieinander lebten. Einzelne abgelegene Gegenden blieben nahezu verschont — Teile Böhmens und Polens etwa. Die Sterblichkeit schwankte deshalb stark: In manchen Städten starb die Hälfte der Einwohner, in anderen Regionen kaum jemand.

Die Pogrome

Parallel zur Seuche verbreitete sich die Beschuldigung, Juden hätten die Brunnen vergiftet. Sie war nachweislich falsch — jüdische Gemeinden starben genauso an der Pest — und wurde dennoch zur Grundlage systematischer Vernichtung.

Im Februar 1349 wurden in Straßburg mehrere hundert Juden verbrannt, bevor die Seuche die Stadt überhaupt erreicht hatte. Ähnliches geschah in Basel, Mainz, Köln, Erfurt und vielen weiteren Orten; mehrere hundert Gemeinden wurden ausgelöscht.

Papst Clemens VI. verurteilte die Verfolgungen 1348 in zwei Bullen ausdrücklich und stellte fest, dass Juden ebenso stürben wie alle anderen. Es half wenig: Die Pogrome hatten neben der Angst handfeste Motive — Schulden bei jüdischen Geldverleihern erloschen mit dem Tod der Gläubiger.

Was sich für die Überlebenden änderte

Nach der Katastrophe war Land im Überfluss vorhanden und Arbeitskraft knapp. Das kehrte das Machtverhältnis zwischen Grundherren und Bauern teilweise um: Löhne stiegen, Abgaben ließen sich schlechter durchsetzen, Bauern konnten den Herrn wechseln. Obrigkeiten versuchten in ganz Europa, Löhne per Gesetz zu deckeln — meist erfolglos.

Sichtbar blieb das in den Wüstungen: tausende Dörfer, die nie wieder besiedelt wurden. Ihre Spuren lassen sich bis heute in Flurnamen und Luftbildern nachweisen. Der Schwarze Tod ist damit einer der wenigen Fälle, in denen ein einzelnes Ereignis die Sozialstruktur eines Kontinents messbar verschoben hat.

Häufige Fragen

Wann kam der Schwarze Tod nach Europa?

Im Oktober 1347 mit genuesischen Schiffen in Messina. Das Heilige Römische Reich erreichte die Seuche 1348.

Wie viele Menschen starben am Schwarzen Tod?

Schätzungsweise ein Drittel der europäischen Bevölkerung, rund 25 Millionen Menschen. Die Sterblichkeit schwankte regional aber erheblich.

Welcher Erreger verursachte die Pest?

Das Bakterium Yersinia pestis. Es wurde durch Analysen alter DNA aus Zähnen von Pestopfern direkt nachgewiesen.

Warum wurden Juden für die Pest verantwortlich gemacht?

Es kursierte die falsche Beschuldigung der Brunnenvergiftung. Neben der Angst spielten wirtschaftliche Motive eine Rolle: Schulden bei jüdischen Geldverleihern erloschen mit deren Tod. Papst Clemens VI. verurteilte die Verfolgungen 1348 ausdrücklich.

Welche Folgen hatte die Pest für die Überlebenden?

Arbeitskraft wurde knapp und Land reichlich. Löhne stiegen, die Stellung der Bauern verbesserte sich, und tausende Dörfer fielen dauerhaft wüst.

Quellen

  • Bullen Papst Clemens’ VI. gegen die Judenverfolgung, 1348 — Sicut Judaeis, erneuert im Juli und September 1348.
  • Nachweis von Yersinia pestis in mittelalterlicher aDNA — Grabungen East Smithfield (London) und Saint-Laurent-de-la-Cabrerisse.
  • Deutsches Historisches Museum — Pest im Mittelalter
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