Klinge & Krone Kanal abonnieren

Der Deutsche Orden — als Mönche einen Staat gründeten

1309 · Krieg & Schlacht · Glaube & Kirche

Der Deutsche Orden entstand 1190 als Feldlazarett vor der belagerten Stadt Akkon und wurde 1198 in einen Ritterorden umgewandelt. Innerhalb weniger Jahrzehnte baute er an der Ostsee etwas auf, das es sonst nicht gab: einen Staat, regiert von Mönchen, ohne Dynastie und ohne Erbfolge. Sein Zentrum wurde ab 1309 die Marienburg an der Nogat — bis heute die größte Backsteinburg Europas.

Erst beim Klick wird das Video von YouTube (youtube-nocookie.com) geladen. Dabei werden Daten an Google übertragen.

Erst beim Klick wird das Video von YouTube (youtube-nocookie.com) geladen. Dabei werden Daten an Google übertragen.

Vom Lazarett zum Ritterorden

Bremer und Lübecker Kaufleute richteten 1190 vor Akkon ein Feldhospital für deutschsprachige Kreuzfahrer ein. Aus dieser Bruderschaft wurde 1198 ein Ritterorden nach dem Vorbild von Templern und Johannitern: Mönchsgelübde plus Waffendienst.

Den entscheidenden Kurswechsel vollzog Hochmeister Hermann von Salza (1209–1239). Er erkannte, dass die Zukunft nicht im Heiligen Land lag, wo die Kreuzfahrerstaaten zerfielen, sondern im Norden. 1226 stellte ihm Kaiser Friedrich II. in der Goldenen Bulle von Rimini das noch zu erobernde Preußen als Ordensland in Aussicht — ein Herrschaftsrecht über Land, das dem Kaiser gar nicht gehörte.

Die Eroberung Preußens

Ab 1231 zog der Orden gegen die heidnischen Prußen, ein baltisches Volk. Der Feldzug dauerte über fünfzig Jahre und war ein Eroberungskrieg mit kirchlicher Begründung. Die Methode war systematisch: Burg bauen, Umland sichern, Siedler aus dem Reich holen, Stadt gründen, nächste Burg.

Auf diese Weise entstand ein dichtes Netz aus Ordensburgen und Städten — Thorn, Kulm, Elbing, Königsberg. Der Orden war zugleich Grundherr, Militärmacht und Handelsunternehmen: Er handelte mit Getreide und Bernstein und arbeitete eng mit der Hanse zusammen.

Die Marienburg

Ab 1274 gebaut, wurde die Marienburg 1309 Sitz des Hochmeisters — der Orden verlegte seine Zentrale damit endgültig von Venedig an die Ostsee.

Die Anlage ist in drei Teile gegliedert: Hochschloss als Konvent mit Kirche und Kapitelsaal, Mittelschloss mit dem Palast des Hochmeisters, Vorburg mit Wirtschaftsgebäuden. Bemerkenswert ist die Technik — eine Fußbodenheizung nach römischem Vorbild und ein Wassersystem, das die Burg autark machte.

Architektonisch ist sie ein Zwitter: Klosteranlage und Festung in einem Bau. Genau das war der Orden auch.

Der Abstieg

Die Niederlage bei Tannenberg 1410 gegen Polen-Litauen brach die militärische Vormacht. Die Marienburg selbst hielt der anschließenden Belagerung stand, doch der Orden musste hohe Zahlungen leisten und verlor das Vertrauen der eigenen Städte und Ritterschaft, die die Steuerlast trugen.

1454 verbündete sich der Preußische Bund aus Städten und Adel mit dem polnischen König. Im Zweiten Frieden von Thorn 1466 verlor der Orden Westpreußen samt Marienburg; der Hochmeistersitz wanderte nach Königsberg, und der Rest wurde polnisches Lehen.

Das Ende kam von innen. 1525 trat Hochmeister Albrecht von Brandenburg zum Luthertum über, löste den Ordensstaat auf und verwandelte ihn in das erbliche Herzogtum Preußen — aus dem später das Königreich Preußen hervorging. Der Orden selbst besteht bis heute, als geistliche Gemeinschaft mit karitativen Aufgaben.

Verlegung des Hochmeistersitzes in die Marienburg 1309.

Häufige Fragen

Wann wurde der Deutsche Orden gegründet?

1190 als Feldhospital vor der belagerten Stadt Akkon, 1198 umgewandelt in einen Ritterorden nach dem Vorbild von Templern und Johannitern.

Was war die Goldene Bulle von Rimini?

Eine Urkunde Kaiser Friedrichs II. von 1226, die dem Orden das noch zu erobernde Preußen als eigenes Herrschaftsgebiet zusprach.

Warum ist die Marienburg so besonders?

Sie ist die größte Backsteinburg Europas und vereint Kloster und Festung in einem Bau. Sie besaß eine Fußbodenheizung nach römischem Vorbild und ein eigenes Wassersystem.

Wie endete der Ordensstaat?

Nach der Niederlage bei Tannenberg 1410 und dem Verlust Westpreußens 1466 löste Hochmeister Albrecht von Brandenburg den Staat 1525 auf und wandelte ihn in das erbliche Herzogtum Preußen um.

Gibt es den Deutschen Orden noch?

Ja. Er besteht als geistliche Gemeinschaft mit karitativen und seelsorgerischen Aufgaben fort, ohne militärischen oder staatlichen Charakter.

Quellen

Geschichte in 60 Sekunden Auf YouTube abonnieren