Klinge & Krone Kanal abonnieren

Die Belagerung Wiens 1683 — zwei Monate vor dem Fall

1683 · Krieg & Schlacht

Vom 14. Juli bis zum 12. September 1683 stand ein osmanisches Heer unter Großwesir Kara Mustafa vor Wien. Die Stadt wurde von rund 15.000 Mann gehalten, die Angreifer gruben sich mit Minen unter die Mauern. Am 12. September traf ein Entsatzheer unter dem polnischen König Jan III. Sobieski ein und schlug die Belagerer am Kahlenberg. Die Schlacht kehrte eine 150 Jahre alte Frontrichtung um: Ab 1683 zogen sich die Osmanen aus Ungarn zurück.

Erst beim Klick wird das Video von YouTube (youtube-nocookie.com) geladen. Dabei werden Daten an Google übertragen.

Erst beim Klick wird das Video von YouTube (youtube-nocookie.com) geladen. Dabei werden Daten an Google übertragen.

Die Ausgangslage

Wien war seit 1529 schon einmal belagert worden und hatte gehalten. 1683 war die Lage schlechter: Das osmanische Heer war deutlich größer — die Angaben schwanken zwischen 100.000 und 150.000 Mann, davon ein erheblicher Teil Tross und Hilfsvölker — und es kam früh im Jahr, mit Zeit für eine reguläre Belagerung.

Kaiser Leopold I. verließ die Stadt mit dem Hof Richtung Passau. Das war keine Feigheit, sondern Kalkül: Ein gefangener Kaiser hätte den Krieg sofort entschieden. Die Verteidigung übernahm Ernst Rüdiger von Starhemberg mit etwa 15.000 Soldaten und bewaffneten Bürgern.

Zwei Monate Minenkrieg

Wiens Bastionen waren zu stark für einen Sturm. Die Osmanen führten deshalb eine klassische Belagerung: Laufgräben vortreiben, unter die Mauer graben, Pulver legen, Bresche sprengen, in die Lücke angreifen. Die Verteidiger gruben Gegenminen, um die Stollen zu treffen, bevor sie fertig waren. Es war ein Krieg unter der Erde, entschieden von Zeit.

Anfang September war die Lage kritisch: Teile der Burgbastei waren gesprengt, die Besatzung auf etwa ein Drittel geschrumpft, Ruhr und Hunger wirkten stärker als das Feuer. Starhemberg ließ Leuchtraketen steigen — das vereinbarte Zeichen, dass die Stadt nicht mehr lange hält.

Der 12. September am Kahlenberg

Das Entsatzheer bestand aus kaiserlichen Truppen unter Karl V. von Lothringen, Kontingenten aus Sachsen, Bayern und fränkischen Kreisen sowie der polnischen Armee unter Jan III. Sobieski, der den Oberbefehl führte. Zusammen etwa 65.000 bis 75.000 Mann.

Der entscheidende Fehler lag beim Angreifer: Kara Mustafa hatte die Höhen des Wienerwaldes nicht ausreichend gesichert und ließ die Belagerung weiterlaufen, statt die Front geschlossen gegen das Entsatzheer zu drehen. Sein Heer kämpfte am Ende in zwei Richtungen. Am späten Nachmittag brach die polnische Reiterei — die geflügelten Husaren — über den Abhang in das osmanische Lager. Der Zusammenbruch kam schnell; das Lager samt Zelt des Großwesirs fiel den Siegern in die Hände. Kara Mustafa wurde im Dezember in Belgrad auf Befehl des Sultans hingerichtet.

Was danach kam — und was Legende ist

1683 war kein Schlusspunkt, sondern ein Auftakt: Es folgte der Große Türkenkrieg, die Rückeroberung Ofens 1686, der Sieg bei Zenta 1697 und der Friede von Karlowitz 1699, mit dem Ungarn an die Habsburger fiel. Der militärische Aufstieg Prinz Eugens beginnt in diesen Jahren.

Zur Vorsicht bei populären Geschichten: Weder das Croissant als Nachbildung des osmanischen Halbmonds noch die Erfindung des Wiener Kaffeehauses aus erbeuteten Kaffeesäcken lassen sich zeitgenössisch belegen. Beide Erzählungen sind deutlich jünger als 1683. Kaffee war in Wien bereits vor der Belagerung bekannt.

Häufige Fragen

Wie lange dauerte die Belagerung Wiens 1683?

Rund zwei Monate, vom 14. Juli bis zum 12. September 1683.

Wer rettete Wien 1683?

Ein Entsatzheer aus kaiserlichen, sächsischen, bayerischen, fränkischen und polnischen Truppen. Den Oberbefehl führte der polnische König Jan III. Sobieski.

Wie viele Soldaten verteidigten Wien?

Etwa 15.000 Mann unter Ernst Rüdiger von Starhemberg, gegenüber einem osmanischen Heer von schätzungsweise 100.000 bis 150.000.

Warum verlor Kara Mustafa die Schlacht am Kahlenberg?

Er sicherte die Höhen des Wienerwaldes nicht ausreichend und führte die Belagerung weiter, statt sein Heer geschlossen gegen das Entsatzheer zu wenden. So kämpfte er in zwei Richtungen zugleich.

Stammt das Croissant wirklich von der Belagerung Wiens?

Nein. Weder die Croissant- noch die Kaffeehaus-Legende lassen sich für 1683 belegen; beide Erzählungen sind jünger. Kaffee war in Wien schon vorher bekannt.

Quellen

Geschichte in 60 Sekunden Auf YouTube abonnieren