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Die Schlacht bei Tannenberg 1410 — das Ende der Ordensmacht

1410 · Krieg & Schlacht

Am 15. Juli 1410 trafen bei den Dörfern Grunwald und Tannenberg das Heer des Deutschen Ordens und ein polnisch-litauisches Heer aufeinander. Der Orden verlor vernichtend: Hochmeister Ulrich von Jungingen fiel, mit ihm ein großer Teil der Ordensführung. Militärisch erholte sich der Ordensstaat nie wieder vollständig. Politisch hielt er noch ein halbes Jahrhundert — aber die Vormachtstellung an der Ostsee war an diesem Tag verloren.

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Warum es zum Krieg kam

Der Deutsche Orden begründete seine Feldzüge mit der Missionierung heidnischer Völker. Diese Begründung geriet ins Wanken, als Litauen 1386 durch die Heirat des Großfürsten Jogaila mit der polnischen Königin Hedwig das Christentum annahm.

Damit gab es formal keine Heiden mehr zu bekämpfen — aber der Orden setzte die Züge fort und bestritt die Aufrichtigkeit der Bekehrung. Aus einem Kreuzzug war ein Krieg zweier christlicher Mächte um Land geworden, und der Konflikt um Samogitien lieferte 1409 den Anlass.

Der 15. Juli

Die Heeresstärken sind umstritten; verlässliche Schätzungen nennen für den Orden etwa 15.000, für Polen-Litauen etwa 20.000 bis 25.000 Mann. Das polnisch-litauische Heer war das vielfältigere: polnische Ritter, litauische und ruthenische Reiter, tatarische Reiterei, dazu böhmische Söldner.

Die Schlacht begann mit stundenlangem Warten in der Sonne — der Orden hatte die Stellung gewählt und wollte, dass der Gegner angreift. Um die Entscheidung zu erzwingen, schickte Jungingen zwei blanke Schwerter als Aufforderung zum Kampf, eine Geste, die als Beleidigung gedacht war.

Der litauische Flügel wich nach schweren Verlusten zurück. Ob es eine geplante Scheinflucht nach tatarischem Vorbild war oder eine echte Flucht, ist bis heute umstritten. Entscheidend war die Wirkung: Ordensverbände lösten sich zur Verfolgung, die Linie riss auf, und die polnischen Verbände drangen in die Lücke. Jungingen führte einen letzten Reiterangriff und fiel dabei.

Der Sieg, der nicht genutzt wurde

Nach der Schlacht zog das siegreiche Heer zur Marienburg — brauchte dafür aber über zwei Wochen. Diese Zeit nutzte Heinrich von Plauen, um die Festung zu besetzen und zu verproviantieren. Die Belagerung scheiterte; die Marienburg fiel nicht.

Der Erste Frieden von Thorn 1411 war deshalb milder, als der Schlachtausgang vermuten ließe: Der Orden verlor kaum Gebiet, musste aber eine gewaltige Geldsumme zahlen.

Genau diese Zahlung wurde zum eigentlichen Schaden. Um sie aufzubringen, erhöhte der Orden die Steuern für Städte und Landadel — die zunehmend fragten, wofür sie eigentlich zahlten. Aus dieser Unzufriedenheit entstand 1440 der Preußische Bund, der sich 1454 mit Polen verbündete. Der Zweite Frieden von Thorn 1466 kostete den Orden dann Westpreußen samt Marienburg. Die Niederlage von 1410 wirkte über ein halbes Jahrhundert nach.

Zwei Nationen, ein Schlachtfeld — und ein Missbrauch

Der Name unterscheidet sich je nach Sprache: In Polen heißt die Schlacht Grunwald, in Litauen Žalgiris, im deutschen Sprachraum Tannenberg — nach drei Dörfern in unmittelbarer Nähe. Für Polen und Litauen ist sie bis heute ein nationaler Bezugspunkt; der bekannteste litauische Basketballklub heißt Žalgiris.

Im Deutschen ist der Name belastet. Als 1914 ein deutsches Heer bei Allenstein eine russische Armee schlug, wurde diese Schlacht bewusst „Tannenberg" genannt, obwohl sie an anderer Stelle stattfand — als symbolische Rache für 1410. Das 1927 errichtete Tannenberg-Denkmal wurde zur nationalistischen Kultstätte und 1945 gesprengt.

Wer von „Tannenberg" spricht, sollte deshalb dazusagen, welches Ereignis gemeint ist. Die Verwechslung ist nicht zufällig entstanden, sondern wurde hergestellt.

Häufige Fragen

Wann war die Schlacht bei Tannenberg?

Am 15. Juli 1410, zwischen den Dörfern Grunwald und Tannenberg im damaligen Ordensland Preußen.

Wer kämpfte bei Tannenberg gegeneinander?

Das Heer des Deutschen Ordens unter Hochmeister Ulrich von Jungingen gegen ein polnisch-litauisches Heer mit ruthenischen, tatarischen und böhmischen Verbänden.

Warum heißt die Schlacht in Polen Grunwald?

In der Nähe liegen mehrere Dörfer. Polen benennt die Schlacht nach Grunwald, Litauen nach Žalgiris, der deutsche Sprachraum nach Tannenberg.

Warum fiel die Marienburg nach der Niederlage nicht?

Das siegreiche Heer brauchte über zwei Wochen bis zur Festung. Heinrich von Plauen nutzte die Zeit, um sie zu besetzen und zu verproviantieren; die Belagerung scheiterte.

Was hat die Schlacht von 1410 mit 1914 zu tun?

Nichts, außer dem Namen. Die deutsche Siegesschlacht von 1914 bei Allenstein wurde bewusst „Tannenberg" genannt, um sie als symbolische Rache für 1410 erscheinen zu lassen.

Quellen

  • Johannes von Posilge, Chronik des Landes Preußen — Ordensnahe zeitgenössische Darstellung.
  • Jan Długosz, Annales — Polnische Sicht, wenige Jahrzehnte nach der Schlacht.
  • Erster Frieden von Thorn, 1411 — Vertragstext mit den Zahlungsverpflichtungen des Ordens.
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