Friedrich der Große — der Flötenspieler, der Kriege führte
Friedrich II. von Preußen wollte als junger Mann Flöte spielen, französische Verse schreiben und dem Regiment seines Vaters entkommen. Sein Fluchtversuch 1730 endete damit, dass er die Hinrichtung seines Freundes mit ansehen musste. Zehn Jahre später bestieg er den Thron — und überfiel binnen Monaten Schlesien. Aus dem widerwilligen Prinzen wurde ein Herrscher, der drei Kriege führte und Preußen zur europäischen Großmacht machte.
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Der Fluchtversuch 1730
Friedrichs Vater, Friedrich Wilhelm I. — der eigentliche „Soldatenkönig" — verachtete alles, was sein Sohn liebte: Bücher, Musik, die französische Sprache. Die Erziehung war streng bis brutal.
1730 versuchte der achtzehnjährige Kronprinz zu fliehen, nach England. Der Plan flog auf. Friedrich wurde in Küstrin festgesetzt, der Vater erwog zeitweise die Todesstrafe für den eigenen Sohn.
Hingerichtet wurde stattdessen sein Freund und Mitwisser, Leutnant Hans Hermann von Katte — am 6. November 1730, auf Befehl des Königs vor den Fenstern von Friedrichs Zelle. Friedrich musste zusehen. Danach gab es keinen Widerstand mehr: Er lernte Verwaltung, heiratete die ihm zugewiesene Frau und fügte sich.
Sanssouci und der Anti-Machiavel
In den Jahren vor der Thronbesteigung lebte Friedrich in Rheinsberg und pflegte, was der Vater verboten hatte: Flöte — er komponierte selbst über hundert Stücke —, Philosophie und einen Briefwechsel mit Voltaire.
1740 erschien der Anti-Machiavel, in dem er Machiavellis Lehre von der Zweckmäßigkeit der Herrschaft zurückwies: Ein Fürst sei der erste Diener seines Staates und der Moral verpflichtet.
Die Schrift kam im Mai 1740 heraus. Im Dezember desselben Jahres marschierten preußische Truppen ohne Kriegserklärung in Schlesien ein. Zwischen dem Buch und dem Einmarsch lagen sieben Monate.
Drei Kriege um Schlesien
Der Anlass war eine Gelegenheit: In Österreich hatte Maria Theresia die Herrschaft angetreten, und ihre Ansprüche wurden bestritten. Schlesien war reich, bevölkert und industriell entwickelt — Friedrich griff zu.
Die ersten beiden Schlesischen Kriege (1740–1742, 1744–1745) endeten mit dem Gewinn der Provinz. Der dritte, der Siebenjährige Krieg (1756–1763), wurde zur Existenzkrise: Preußen stand gegen Österreich, Frankreich und Russland zugleich.
Nach der Niederlage bei Kunersdorf 1759 schrieb Friedrich, alles sei verloren. Gerettet wurde er durch einen Zufall — den Tod der russischen Zarin Elisabeth 1762; ihr Nachfolger Peter III. verehrte Friedrich und schloss sofort Frieden. Diese Wendung ging als „Mirakel des Hauses Brandenburg" in die Geschichte ein. Preußen behielt Schlesien und galt fortan als fünfte europäische Großmacht.
Der erste Diener seines Staates
Im Inneren regierte Friedrich als aufgeklärter Absolutist. Er schaffte die Folter weitgehend ab, ließ das Recht vereinheitlichen, förderte Trockenlegung und Besiedlung und setzte die Kartoffel als Grundnahrungsmittel durch — nicht durch Überredung, sondern per Anordnung.
Berühmt ist sein Satz zur Religion: Jeder solle nach seiner eigenen Façon selig werden. Das war für die Zeit bemerkenswert tolerant, hatte aber Grenzen: Für Juden galten weiterhin einschränkende Sondergesetze.
Widersprüchlich blieb er bis zuletzt. Der Mann, der die Zweckmäßigkeitslehre schriftlich verworfen hatte, führte Angriffskriege und beteiligte sich 1772 an der Ersten Teilung Polens. Er starb 1786 in Sanssouci, kinderlos, umgeben von seinen Hunden — neben denen er auch begraben werden wollte. Diesem Wunsch wurde erst 1991 entsprochen.
Häufige Fragen
War Friedrich der Große der „Soldatenkönig"?
Nein, das war sein Vater Friedrich Wilhelm I. Friedrich II. interessierte sich als junger Mann für Musik und Philosophie und wurde erst als König zum Feldherrn.
Was geschah bei Friedrichs Fluchtversuch 1730?
Der Plan flog auf. Friedrich wurde in Küstrin festgesetzt, und sein Freund Hans Hermann von Katte wurde am 6. November 1730 vor den Fenstern seiner Zelle hingerichtet.
Warum überfiel Friedrich Schlesien?
Die Provinz war reich, bevölkert und wirtschaftlich entwickelt, und der Herrschaftsantritt Maria Theresias in Österreich bot eine Gelegenheit. Der Einmarsch erfolgte im Dezember 1740 ohne Kriegserklärung.
Was war das „Mirakel des Hauses Brandenburg"?
Der Tod der russischen Zarin Elisabeth 1762 im Siebenjährigen Krieg. Ihr Nachfolger Peter III. verehrte Friedrich und schloss sofort Frieden, als Preußen militärisch am Ende war.
Was bedeutet „jeder nach seiner Façon"?
Friedrichs Grundsatz, dass jeder nach seiner eigenen Art selig werden solle. Für die Zeit bemerkenswert tolerant, hatte er jedoch Grenzen: Für Juden galten weiterhin einschränkende Sondergesetze.
Quellen
- Friedrich II., Anti-Machiavel (1740) — Erschien im Mai; der Einmarsch in Schlesien folgte im Dezember.
- Politisches Testament Friedrichs II., 1752 und 1768 — Eigene Darstellung seiner Herrschaftsgrundsätze.
- Stiftung Preußische Schlösser und Gärten — Sanssouci