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Die Kaiserkrönung Karls des Großen 800 — ein Titel wird wiederbelebt

800 · Herrscher & Macht · Reich & Recht

Am 25. Dezember 800 setzte Papst Leo III. in der Peterskirche in Rom Karl dem Großen die Kaiserkrone auf. Seit über drei Jahrhunderten hatte es im Westen keinen Kaiser gegeben — der Titel existierte nur noch in Konstantinopel. Die Krönung war deshalb weniger eine Ehrung als eine Behauptung: Das römische Kaisertum sei nicht untergegangen, sondern gehe auf einen fränkischen König über. Auf dieser Konstruktion beruhte später das Heilige Römische Reich.

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Warum überhaupt ein Kaiser?

Karl herrschte um 800 über ein Gebiet, das vom heutigen Nordspanien bis nach Sachsen und von der Nordsee bis Mittelitalien reichte. Für diese Ausdehnung war der Titel „König der Franken" zu klein — er beschrieb einen Stamm, nicht ein Vielvölkerreich.

Für Leo III. hatte die Krönung einen eigenen Grund. Er war 799 in Rom überfallen und schwer bedrängt worden; Karl ließ die Vorwürfe gegen ihn untersuchen und stützte ihn. Ein Papst, der einen Kaiser krönt, macht sich zugleich unentbehrlich.

Das Problem mit Byzanz

In Konstantinopel gab es einen Kaiser — beziehungsweise, im Jahr 800, eine Kaiserin: Irene regierte, nachdem sie ihren Sohn hatte blenden lassen. Im Westen argumentierte man, eine Frau könne den Thron nicht rechtmäßig innehaben, der Kaiserthron sei also unbesetzt und könne neu vergeben werden.

Byzanz sah das anders und betrachtete Karl als Usurpator. Erst 812 erkannte Kaiser Michael I. ihn als basileus an — allerdings ohne den Zusatz „der Römer", der weiterhin allein für Konstantinopel reserviert blieb. Der Preis dafür waren territoriale Zugeständnisse in der Adria.

Wer krönte hier wen?

Einhard, Karls Biograf, schreibt, Karl habe später gesagt, er hätte die Kirche an jenem Tag nicht betreten, wenn er die Absicht des Papstes gekannt hätte. Die Bemerkung ist vielsagend, aber schwer zu deuten: Möglich, dass Karl tatsächlich überrascht war; möglich auch, dass die Aussage nachträglich die Deutung abwehren sollte, der Papst habe aus eigener Machtvollkommenheit einen Kaiser gemacht.

Genau diese Deutung wurde zum Kern eines Konflikts, der Jahrhunderte dauerte. Wenn der Papst die Krone verleiht — kann er sie auch entziehen? Der Investiturstreit und der Gang nach Canossa sind Ausläufer der Frage, die am Weihnachtstag 800 aufgeworfen wurde.

Was davon blieb

Karls eigenes Reich zerfiel bald nach seinem Tod 814: Der Vertrag von Verdun teilte es 843 unter seinen Enkeln in einen West-, Mittel- und Ostteil. Aus dem Westteil entwickelte sich Frankreich, aus dem Ostteil das Ostfrankenreich und damit das spätere Reich.

Geblieben ist die Idee der translatio imperii — der Übertragung des Kaisertums. Als Otto I. sich 962 in Rom krönen ließ, knüpfte er ausdrücklich an 800 an. Deshalb steht Karl am Anfang jeder Darstellung des Heiligen Römischen Reiches, obwohl er selbst kein Herrscher dieses Reiches war.

Häufige Fragen

Wann wurde Karl der Große zum Kaiser gekrönt?

Am 25. Dezember 800 in der Peterskirche in Rom durch Papst Leo III.

Warum war die Kaiserkrönung ein Affront gegen Byzanz?

In Konstantinopel gab es bereits einen Kaiserthron. Im Westen argumentierte man, die regierende Kaiserin Irene könne ihn als Frau nicht rechtmäßig innehaben, er sei also unbesetzt. Byzanz sah Karl als Usurpator und erkannte ihn erst 812 an.

War Karl der Große von der Krönung überrascht?

Sein Biograf Einhard schreibt, Karl habe gesagt, er hätte die Kirche nicht betreten, wenn er die Absicht des Papstes gekannt hätte. Ob das echte Überraschung war oder eine nachträgliche Abwehr päpstlicher Ansprüche, ist offen.

War Karl der Große Kaiser des Heiligen Römischen Reiches?

Nein. Dieses Reich beginnt üblicherweise mit Otto I. im Jahr 962. Karl steht aber am Anfang jeder Darstellung, weil Otto sich ausdrücklich auf die Krönung von 800 berief.

Was geschah nach Karls Tod mit seinem Reich?

Es wurde 843 im Vertrag von Verdun unter seinen Enkeln geteilt. Aus dem Westteil entwickelte sich Frankreich, aus dem Ostteil das Ostfrankenreich und damit das spätere Heilige Römische Reich.

Quellen

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