Otto der Große — wie 962 aus einem Königreich ein Kaiserreich wurde
Otto I. wurde 936 König des Ostfrankenreichs und ließ sich am 2. Februar 962 in Rom zum Kaiser krönen. Mit diesem Datum lassen die meisten Darstellungen das Heilige Römische Reich beginnen. Ottos Leistung war weniger die Krönung selbst als das, was sie möglich machte: Er hatte zuvor die Aufstände seiner eigenen Familie überstanden, die Ungarneinfälle beendet und ein Herrschaftssystem aufgebaut, das auf der Kirche statt auf dem Adel ruhte.
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Aufstände aus der eigenen Familie
Ottos erste Regierungsjahre waren von Erhebungen geprägt — geführt nicht von Fremden, sondern von seinem Bruder Heinrich und später von seinem eigenen Sohn Liudolf. Der Grund lag im System: Herzöge betrachteten sich als Partner des Königs, nicht als Beamte, und Erbansprüche wurden mit Waffen ausgetragen.
Otto setzte sich durch, zog daraus aber eine Konsequenz, die weiter reichte als jeder militärische Sieg: Er verlagerte die Herrschaft von den Herzögen weg.
Die Kirche als Verwaltung
Otto verlieh Bischöfen und Äbten weltliche Rechte — Grafschaftsrechte, Zoll, Markt, Münze — und stattete sie reich aus. Der Vorteil lag in der Nachfolge: Geistliche hatten keine legitimen Erben, ihre Ämter fielen an den König zurück und konnten neu vergeben werden. Ein Herzogtum wurde vererbt, ein Bistum nicht.
Dieses später als ottonisch-salisches Reichskirchensystem bezeichnete Verfahren war über anderthalb Jahrhunderte die tragende Säule der Königsherrschaft. Es hatte allerdings eine Voraussetzung: dass der König die Bischöfe einsetzt. Genau diese Voraussetzung bestritt später die Kirchenreform — und daraus wurde der Investiturstreit.
968 setzte Otto die Gründung des Erzbistums Magdeburg durch, gedacht als kirchliches Zentrum für die Mission östlich der Elbe. Magdeburg blieb sein bevorzugter Ort; dort wurde er auch begraben.
Lechfeld und Italien
955 schlug Otto auf dem Lechfeld ein ungarisches Heer und beendete damit sechzig Jahre von Raubzügen. Der Sieg machte ihn zur unbestrittenen Autorität im Reich und zum „Verteidiger der Christenheit" — das Argument, mit dem sich der Kaisertitel begründen ließ.
Der Weg dorthin führte über Italien. Otto hatte 951 Adelheid geheiratet, die Witwe des italienischen Königs, und damit Ansprüche auf Oberitalien erworben. Als Papst Johannes XII. gegen einen lokalen Rivalen Hilfe brauchte, war der Handel offensichtlich: Schutz gegen Krönung.
Was 962 tatsächlich bedeutete
Die Krönung am 2. Februar 962 knüpfte ausdrücklich an Karl den Großen an. Neu war jedoch die dauerhafte Verbindung: Von nun an gehörte der Kaisertitel zum ostfränkisch-deutschen Königtum, und wer Kaiser werden wollte, musste zuerst hier gewählt werden.
Der Preis war hoch. Das Kaisertum band die Herrscher an Italien: Romzüge kosteten Geld, Truppen und Jahre, in denen sie nördlich der Alpen fehlten. Von Otto bis zu den Staufern zieht sich diese Rechnung durch die Reichsgeschichte — die Kaiserwürde verlieh Rang, aber sie zehrte an der Macht, die sie schmücken sollte.
Häufige Fragen
Wann wurde Otto I. zum Kaiser gekrönt?
Am 2. Februar 962 in Rom durch Papst Johannes XII. Mit diesem Datum lassen die meisten Darstellungen das Heilige Römische Reich beginnen.
Was war das ottonisch-salische Reichskirchensystem?
Der König verlieh Bischöfen und Äbten weltliche Rechte und stützte seine Herrschaft auf sie. Da Geistliche keine legitimen Erben hatten, fielen ihre Ämter an die Krone zurück — anders als vererbbare Herzogtümer.
Warum wird Otto „der Große" genannt?
Wegen des Sieges auf dem Lechfeld 955, der die Ungarneinfälle beendete, und der Erneuerung des westlichen Kaisertums 962.
Warum war Italien für Otto so wichtig?
Durch die Heirat mit Adelheid 951 erwarb er Ansprüche auf Oberitalien, und der Kaisertitel war nur in Rom zu erlangen. Die Bindung an Italien kostete alle späteren Herrscher Geld, Truppen und Zeit.
Wo ist Otto der Große begraben?
Im Dom zu Magdeburg. Dort hatte er 968 die Gründung eines Erzbistums für die Mission östlich der Elbe durchgesetzt.
Quellen
- Widukind von Corvey, Sachsengeschichte — Wichtigste erzählende Quelle zu Ottos Regierung.
- Liudprand von Cremona, Historia Ottonis — Zur Kaiserkrönung und zum Konflikt mit Johannes XII.
- Kulturhistorisches Museum Magdeburg — Otto der Große