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Heinrich der Löwe — der Herzog, der zwei Herzogtümer zu viel hatte

1180 · Herrscher & Macht

Heinrich der Löwe aus dem Haus der Welfen war Herzog von Sachsen und Bayern zugleich — eine Machtfülle, die kein anderer Fürst des Reiches besaß. Er gründete Städte, betrieb eigene Ostpolitik und trat gegenüber dem Kaiser wie ein Gleichrangiger auf. 1176 verweigerte er Friedrich Barbarossa die Heerfolge nach Italien. Vier Jahre später verurteilte ihn ein Fürstengericht, ächtete ihn und nahm ihm beide Herzogtümer.

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Zwei Herzogtümer

Sachsen erhielt Heinrich 1142, Bayern 1156 — letzteres, weil Barbarossa den Welfen für seine eigene Wahl entschädigen musste. Damit kontrollierte ein einzelner Fürst den Norden und den Südosten des Reiches.

Heinrich nutzte diese Stellung nicht für Reichspolitik, sondern für den Ausbau der eigenen Herrschaft. Er zog Zölle ein, förderte Handel, gründete und erweiterte Städte: Lübeck baute er 1159 nach einem Brand neu auf und machte es zum Tor zur Ostsee; München geht auf eine Zollbrücke zurück, die er 1158 gegen den Widerstand des Bischofs von Freising durchsetzte.

Eigene Außenpolitik

Im Osten führte Heinrich Feldzüge gegen die slawischen Abodriten und siedelte Bauern aus Flandern, Holland und Westfalen an — Teil jener Ostsiedlung, die die Bevölkerungsverteilung Nordostdeutschlands dauerhaft prägte.

Er verheiratete sich 1168 mit Mathilde, der Tochter Heinrichs II. von England — eine dynastische Verbindung, die er ohne Rücksicht auf kaiserliche Interessen einging. In Braunschweig ließ er 1166 den bronzenen Löwen aufstellen, ein Standbild ohne kirchlichen Anlass, das seinen Herrschaftsanspruch sichtbar machte. Für die Zeit war das ungewöhnlich selbstbewusst.

Der Bruch von 1176

Vor dem entscheidenden Italienfeldzug bat Barbarossa Heinrich um Truppen. Heinrich lehnte ab. Nach der Überlieferung geschah das bei einer Begegnung in Chiavenna, wo der Kaiser sich vor ihm gekniet haben soll — die Szene ist allerdings erst später bezeugt und literarisch ausgeschmückt.

Wenige Wochen danach verlor Barbarossa die Schlacht bei Legnano. Ob Heinrichs Truppen den Ausgang geändert hätten, ist offen; entscheidend war, dass alle die Verweigerung so lasen.

Sturz und Rückkehr

Der Prozess 1180 lief förmlich ab: Heinrich erschien mehrfach nicht vor Gericht, wurde nach Lehnsrecht und Landrecht verurteilt, mit der Reichsacht belegt und beider Herzogtümer enthoben. Sachsen und Bayern wurden geteilt und neu vergeben — Bayern ging an die Wittelsbacher, die es bis 1918 behielten.

Heinrich ging ins Exil nach England zu seinem Schwiegervater. Später durfte er zurückkehren und behielt Braunschweig und Lüneburg als Eigenbesitz; er starb 1195 und liegt im Braunschweiger Dom.

Der eigentliche Gewinner war nicht der Kaiser. Barbarossa hatte den mächtigsten Fürsten gestürzt, aber nur, weil die anderen Fürsten als Richter mitwirkten und mit dessen Besitz belohnt wurden. Der Fall Heinrichs stärkte dauerhaft das Fürstenkolleg — dieselbe Entwicklung, die 1356 in der Goldenen Bulle schriftlich festgehalten wurde.

Der Sturz 1180: Reichsacht und Aberkennung der Herzogtümer. Das ist der Wendepunkt, nicht sein Geburts- oder Todesjahr.

Häufige Fragen

Warum hieß Heinrich „der Löwe"?

Der Beiname geht auf sein Wappentier zurück, sichtbar im bronzenen Löwenstandbild, das er 1166 in Braunschweig aufstellen ließ.

Welche Städte gehen auf Heinrich den Löwen zurück?

Er baute Lübeck 1159 nach einem Brand neu auf und setzte 1158 die Zollbrücke durch, aus der München hervorging. Auch Schwerin und Lüneburg förderte er.

Warum wurde Heinrich der Löwe 1180 gestürzt?

Weil er Barbarossa 1176 die Heerfolge nach Italien verweigerte. Ein Fürstengericht verurteilte ihn, belegte ihn mit der Reichsacht und nahm ihm Sachsen und Bayern.

Was geschah nach seinem Sturz mit ihm?

Er ging ins Exil zu seinem Schwiegervater Heinrich II. von England, durfte später zurückkehren und behielt Braunschweig und Lüneburg. Er starb 1195 und liegt im Braunschweiger Dom.

Wer profitierte vom Sturz Heinrichs des Löwen?

Vor allem die übrigen Fürsten. Sie wirkten als Richter mit und wurden mit seinem Besitz belohnt; Bayern ging an die Wittelsbacher. Der Vorgang stärkte das Fürstenkolleg, nicht die Krone.

Quellen

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