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Jakob Fugger — der Mann, der einen Kaiser kaufte

1519 · Handel & Städte · Herrscher & Macht

Jakob Fugger (1459–1525) aus Augsburg war der reichste Mann seiner Zeit und wahrscheinlich einer der reichsten der Geschichte. Sein Geld kam aus dem Bergbau in Tirol und Ungarn, verdient durch ein einfaches Prinzip: Er lieh Fürsten Geld und ließ sich statt Zinsen die Erträge ihrer Bergwerke verschreiben. 1519 finanzierte er die Kaiserwahl Karls V. — und stellte damit sicher, dass der mächtigste Mann Europas sein Schuldner war.

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Das Geschäftsmodell

Fürsten des späten Mittelalters brauchten ständig Bargeld für Kriege und Höfe, hatten aber Vermögen in Form von Land und Bodenschätzen. Jakob Fugger verband beides: Er gab Kredit und ließ sich zur Sicherheit die Produktion von Silber- und Kupferbergwerken übertragen.

Der Hebel lag in Tirol und Oberungarn. Über Jahrzehnte kontrollierte Fugger einen erheblichen Teil des europäischen Kupfers — ein Metall, das für Geschütze, Münzen und Haushaltsgerät gebraucht wurde. Weil er zugleich Bergbau, Transport und Verkauf in der Hand hielt, bestimmte er die Preise weitgehend selbst.

Dazu kam das Kirchengeschäft. Das Handelshaus wickelte Zahlungen an die Kurie ab und unterhielt dafür ein Netz von Faktoreien in ganz Europa — Fugger war damit Bankier und Logistiker zugleich.

Die Kaiserwahl 1519

Nach dem Tod Maximilians I. bewarben sich Karl I. von Spanien und Franz I. von Frankreich um die Krone. Entscheiden mussten sieben Kurfürsten — und beide Seiten boten Geld.

Die Wahl kostete den Habsburger rund 850.000 Gulden, von denen Fugger etwa zwei Drittel bereitstellte. Zum Vergleich: Ein Handwerker verdiente im Jahr wenige Dutzend Gulden. Karl wurde als Karl V. gewählt.

Als der Kaiser später zögerte, seine Schulden anzuerkennen, schrieb Fugger 1523 einen Brief, der bis heute zitiert wird — mit dem nüchternen Hinweis, ohne ihn hätte Karl die römische Krone nicht erlangt. Es ist einer der seltenen Momente, in denen ein Kaufmann einem Kaiser die Rechnung präsentiert.

Ablass, Fugger und Luther

1514 erwarb Albrecht von Brandenburg das Erzbistum Mainz. Die dafür fällige Summe an Rom lieh ihm das Haus Fugger. Zur Tilgung wurde ein Ablass genehmigt, dessen Erlös geteilt wurde — ein Teil nach Rom für den Petersdom, ein Teil zur Schuldentilgung.

Fugger-Angestellte begleiteten die Ablassprediger und verwahrten die Kassen. Als Luther 1517 seine Thesen gegen den Ablasshandel richtete, traf er damit auch dieses Geschäft. Luther griff die Fugger später namentlich an und forderte eine Obergrenze für Handelsgesellschaften.

Die Fuggerei — und was vom Vermögen blieb

1521 stiftete Fugger in Augsburg die Fuggerei, eine Siedlung für bedürftige katholische Augsburger. Sie gilt als die älteste noch bestehende Sozialsiedlung der Welt. Die Jahresmiete beträgt bis heute einen Rheinischen Gulden — umgerechnet 88 Cent — dazu drei Gebete täglich für den Stifter.

Die Stiftung finanziert sich aus Forstvermögen, das Fugger ihr mitgab, und funktioniert seit über fünfhundert Jahren. Das ist bemerkenswert: Das Handelsimperium selbst schrumpfte nach seinem Tod rasch, weil Kredite an Fürsten sich als das erwiesen, was sie waren — Forderungen gegen Schuldner, die niemand verklagen konnte. Spanien stellte mehrfach die Zahlungen ein. Geblieben ist ausgerechnet das, was verschenkt wurde.

Die Kaiserwahl Karls V. 1519, die Fugger finanzierte — der Gipfel seiner Macht.

Häufige Fragen

Warum war Jakob Fugger so reich?

Er lieh Fürsten Geld und ließ sich statt Zinsen die Erträge ihrer Silber- und Kupferbergwerke in Tirol und Ungarn verschreiben. Zeitweise kontrollierte er einen erheblichen Teil des europäischen Kupfers.

Wie viel kostete die Kaiserwahl 1519?

Rund 850.000 Gulden, von denen Jakob Fugger etwa zwei Drittel bereitstellte. Ein Handwerker verdiente damals wenige Dutzend Gulden im Jahr.

Was hat Jakob Fugger mit Martin Luther zu tun?

Das Haus Fugger finanzierte den Erwerb des Erzbistums Mainz durch Albrecht von Brandenburg und wickelte den zur Tilgung genehmigten Ablass ab. Luthers Thesen von 1517 trafen damit auch dieses Geschäft.

Was ist die Fuggerei?

Eine 1521 in Augsburg gestiftete Siedlung für bedürftige katholische Augsburger, die älteste noch bestehende Sozialsiedlung der Welt. Die Jahresmiete beträgt bis heute 88 Cent und drei tägliche Gebete.

War Jakob Fugger der reichste Mann der Geschichte?

Er wird regelmäßig so genannt, doch Vermögen über Jahrhunderte hinweg zu vergleichen ist methodisch fragwürdig. Gesichert ist, dass er der reichste Mann seiner Zeit war.

Quellen

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