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Die Zerstörung Magdeburgs 1631 — als ein Wort entstand

1631 · Krieg & Schlacht

Am 20. Mai 1631 nahm ein kaiserlich-ligistisches Heer die Stadt Magdeburg. Was folgte, war die schwerste Einzelkatastrophe des <a href="/artikel/dreissigjaehriger-krieg/">Dreißigjährigen Krieges</a>: Die Stadt brannte fast vollständig nieder, von rund 30.000 Einwohnern überlebten wohl weniger als 5.000. Das Ereignis erschütterte Europa so sehr, dass daraus ein Wort wurde — „magdeburgisieren" für die vollständige Vernichtung einer Stadt.

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Die Lage vor der Erstürmung

Magdeburg war eine reiche, protestantische Handelsstadt an der Elbe und hatte sich 1630 dem schwedischen König Gustav Adolf angeschlossen. Damit war sie ein Ziel.

Ab November 1630 belagerte ein Heer unter Tilly und Pappenheim die Stadt. Die Verteidiger rechneten fest mit Entsatz durch Gustav Adolf — der aber nicht kam. Der schwedische König konnte nicht vorrücken, weil Brandenburg und Sachsen ihm den Durchmarsch verweigerten; sie wollten sich nicht festlegen. Magdeburg wartete auf eine Hilfe, die politisch blockiert war.

Der 20. Mai

Am Morgen des 20. Mai brachen die Angreifer an mehreren Stellen ein. Nach dem Kriegsrecht der Zeit war eine im Sturm genommene Stadt — anders als eine, die kapituliert hatte — der Plünderung preisgegeben. Was folgte, war Massaker und Raub.

Dann brach Feuer aus und griff bei starkem Wind auf die ganze Stadt über. Bis heute ist ungeklärt, wer es legte: Sowohl absichtliche Brandstiftung durch Verteidiger als auch Unachtsamkeit der Plünderer wurden behauptet. Tilly selbst hatte kein Interesse an der Zerstörung — eine ausgeplünderte, aber stehende Stadt hätte sein Heer über Monate versorgt. Er verlor mit dem Brand seine eigene Beute.

Am Ende standen der Dom und wenige Häuser. Zeitgenössische Berichte sprechen von 20.000 Toten und mehr.

Der Propagandakrieg

Magdeburg wurde zum ersten Medienereignis dieses Krieges. Über 200 Flugschriften erschienen binnen weniger Monate, dazu Kupferstiche und Lieder — Massenmedien, die es hundert Jahre zuvor noch nicht gegeben hätte.

Die protestantische Seite nutzte den Fall als Beweis katholischer Grausamkeit und schuf damit die Rechtfertigung für den weiteren Krieg. Die katholische Seite argumentierte, die Stadt habe die Kapitulation verweigert und trage die Folgen selbst; das Feuer sei nicht befohlen worden.

Der Begriff Magdeburger Hochzeit — höhnisch für das Massaker — stammt aus dieser Publizistik. Wer den Krieg verstehen will, sollte beide Erzählungen kennen und keiner ganz glauben: Beide Seiten schrieben, um Bündnisse zu gewinnen.

Die politische Wirkung

Die Rechnung ging für die Angreifer nicht auf. Der Schock beendete das Zögern der protestantischen Fürsten: Brandenburg und Sachsen schlossen sich Gustav Adolf an — genau das, was sie zuvor verweigert hatten.

Vier Monate später schlug das schwedisch-sächsische Heer bei Breitenfeld Tillys Armee vernichtend. Es war die erste große Niederlage der kaiserlichen Seite im Krieg und öffnete den Schweden den Weg nach Süddeutschland.

Magdeburg selbst brauchte über ein Jahrhundert, um seine alte Einwohnerzahl wieder zu erreichen.

Häufige Fragen

Was geschah am 20. Mai 1631 in Magdeburg?

Ein kaiserlich-ligistisches Heer unter Tilly und Pappenheim erstürmte die Stadt. Es folgten Plünderung und Massaker, dann brannte Magdeburg fast vollständig nieder.

Wie viele Menschen starben in Magdeburg?

Von rund 30.000 Einwohnern überlebten wahrscheinlich weniger als 5.000. Zeitgenössische Berichte nennen 20.000 Tote und mehr.

Wer legte das Feuer in Magdeburg?

Das ist bis heute ungeklärt. Sowohl Brandstiftung durch Verteidiger als auch Unachtsamkeit der Plünderer wurden behauptet. Tilly hatte kein Interesse am Brand — er verlor damit die Versorgung für sein Heer.

Warum kam Gustav Adolf der Stadt nicht zu Hilfe?

Brandenburg und Sachsen verweigerten ihm den Durchmarsch, weil sie sich noch nicht festlegen wollten. Magdeburg wartete auf einen politisch blockierten Entsatz.

Welche Folgen hatte die Zerstörung Magdeburgs?

Der Schock trieb Brandenburg und Sachsen auf die schwedische Seite. Vier Monate später erlitt Tilly bei Breitenfeld die erste große Niederlage der kaiserlichen Seite.

Quellen

  • Otto von Guericke, Geschichte der Belagerung, Eroberung und Zerstörung Magdeburgs — Augenzeuge und späterer Bürgermeister der Stadt.
  • Flugschriftensammlung zur Zerstörung Magdeburgs, 1631 — Über 200 Drucke; Kernbestand des zeitgenössischen Propagandakriegs.
  • Kulturhistorisches Museum Magdeburg
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