Das Ende des Alten Reiches 1806 — Rücktritt statt Untergang
Am 6. August 1806 erklärte Franz II., er lege die römisch-deutsche Kaiserkrone nieder und betrachte alle Reichsstände als von ihren Pflichten entbunden. Damit endete nach 844 Jahren das Heilige Römische Reich — nicht durch Eroberung, sondern durch eine Urkunde. Der Schritt war ein Vorgriff: Napoleon hätte die Krone andernfalls selbst beanspruchen oder einem Verbündeten verschaffen können. Franz löste das Reich auf, damit niemand sonst es bekam.
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Die Vorbereitung: ein zweiter Kaisertitel
Schon 1804 hatte Franz einen ungewöhnlichen Schritt getan: Er nahm zusätzlich den Titel „Kaiser von Österreich" an. Anlass war Napoleons Selbstkrönung zum Kaiser der Franzosen — Franz wollte im Rang nicht zurückfallen, falls die römisch-deutsche Würde wegfiele.
Damit war die Absicherung geschaffen. Als 1806 die Auflösung kam, verlor er nicht seine Stellung als Monarch, sondern nur einen von zwei Titeln. Ohne diesen Vorlauf wäre der Verzicht kaum denkbar gewesen.
Austerlitz und der Rheinbund
Die Niederlage bei Austerlitz im Dezember 1805 zerstörte die militärische Grundlage österreichischer Reichspolitik. Im Frieden von Preßburg musste Franz Gebiete abtreten und anerkennen, dass Bayern und Württemberg Königreiche wurden — souveräne Staaten, die nicht mehr unter ihm standen.
Im Juli 1806 gründeten sechzehn süd- und westdeutsche Staaten unter Napoleons Protektorat den Rheinbund und erklärten ihren Austritt aus dem Reich. Damit war der Verband praktisch entkernt: Ein Kaiser ohne Stände ist kein Kaiser. Napoleon stellte ein Ultimatum mit Frist bis zum 10. August.
Die Reaktion — bemerkenswert leise
Von Aufruhr keine Spur. Das Reich war für die meisten Menschen längst kein Bezugspunkt mehr; ihre Loyalität galt dem Landesherrn, der Stadt, der Konfession.
Goethe notierte am 7. August 1806, auf der Reise nach Karlsbad habe der Streit zwischen seinem Bedienten und dem Kutscher ihn mehr bewegt als die Nachricht von der Auflösung des Reiches. Die Bemerkung wird gern als Gleichgültigkeit gelesen; sie ist eher ein Befund über die Reichweite dieser Institution im Alltag.
Was blieb, war eine offene Frage: Zwischen 1806 und 1871 gab es keine gesamtdeutsche staatliche Ordnung mehr, nur den Deutschen Bund als losen Zusammenschluss. Die Diskussion darüber, was an die Stelle des Reiches treten solle, prägte das gesamte 19. Jahrhundert.
Häufige Fragen
Wann endete das Heilige Römische Reich?
Am 6. August 1806, als Kaiser Franz II. die Krone niederlegte und die Reichsstände von ihren Pflichten entband.
Warum legte Franz II. die Kaiserkrone nieder?
Um zu verhindern, dass Napoleon die Krone selbst beansprucht oder einem Verbündeten verschafft. Napoleon hatte zudem ein Ultimatum mit Frist bis zum 10. August gestellt.
Was war der Rheinbund?
Ein Zusammenschluss von zunächst sechzehn süd- und westdeutschen Staaten unter Napoleons Protektorat, gegründet im Juli 1806. Die Mitglieder erklärten ihren Austritt aus dem Reich.
Warum nannte sich Franz schon 1804 „Kaiser von Österreich"?
Als Absicherung nach Napoleons Selbstkrönung. So behielt er einen Kaisertitel, falls die römisch-deutsche Würde wegfiele — was zwei Jahre später eintrat.
Wie reagierten die Zeitgenossen auf das Ende des Reiches?
Überwiegend gleichgültig. Goethe notierte, ein Streit zwischen seinem Bedienten und dem Kutscher habe ihn mehr bewegt. Die Loyalität der Menschen galt dem Landesherrn, nicht dem Reich.
Quellen
- Niederlegungsurkunde Franz’ II. vom 6. August 1806 — Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien.
- Rheinbundakte, 12. Juli 1806 — Gründungsvertrag des Rheinbunds.
- Goethe, Tagebuch, 7. August 1806 — Quelle der oft zitierten Bemerkung.