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Konradin 1268 — die Hinrichtung eines Sechzehnjährigen

1268 · Herrscher & Macht

Konradin war Herzog von Schwaben, Enkel Kaiser Friedrichs II. und der letzte männliche Staufer. Mit fünfzehn Jahren zog er nach Italien, um das Königreich Sizilien gegen Karl von Anjou zu beanspruchen. Am 23. August 1268 verlor er die Schlacht bei Tagliacozzo, wurde auf der Flucht gefangen, vor Gericht gestellt und am 29. Oktober 1268 in Neapel öffentlich enthauptet. Er war sechzehn Jahre alt. Mit ihm endete die Dynastie.

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Ein Erbe ohne Erbe

Konradin wurde 1252 geboren, wenige Monate nach dem Tod seines Vaters Konrad IV. und zwei Jahre nach dem seines Großvaters Friedrichs II. Er wuchs in Bayern bei Verwandten auf.

Sein Anspruch war rechtlich gut begründet und praktisch wertlos. Das Papsttum hatte die Staufer über Jahrzehnte bekämpft und wollte sie in Italien nicht wiedersehen. Papst Urban IV. übertrug das Königreich Sizilien an Karl von Anjou, den Bruder des französischen Königs, der 1266 Konradins Onkel Manfred bei Benevent besiegte und tötete.

Im Reich herrschte gleichzeitig das Interregnum: konkurrierende Könige, keine wirksame Zentralgewalt. Es gab niemanden, der Konradins Sache hätte betreiben können — außer ihm selbst.

Der Zug nach Italien

1267 brach Konradin mit einem kleinen Heer und viel geliehenem Geld nach Italien auf. Anfangs lief es gut: Ghibellinische Städte — die kaiserfreundliche Partei — nahmen ihn auf, Rom empfing ihn festlich, Sizilien erhob sich gegen die Franzosen.

Am 23. August 1268 kam es bei Tagliacozzo in den Abruzzen zur Schlacht. Konradins Truppen durchbrachen die feindliche Linie und begannen zu plündern, im Glauben, gewonnen zu haben. Karl von Anjou hatte jedoch eine Reserve zurückgehalten, die er nun in die aufgelöste Formation warf. Die Niederlage war vollständig.

Der Prozess

Konradin floh, wurde verraten und ausgeliefert. Karl von Anjou stellte ihn vor ein Gericht — und das ist der bemerkenswerte Teil: Ein gefangener Fürst wurde in dieser Zeit üblicherweise gegen Lösegeld freigelassen oder eingekerkert, nicht abgeurteilt.

Der Vorwurf lautete Hochverrat und Rebellion gegen den vom Papst eingesetzten rechtmäßigen König. Die Überlieferung berichtet, mehrere Richter hätten sich geweigert, ein Todesurteil zu sprechen. Es erging dennoch.

Am 29. Oktober 1268 wurde Konradin auf dem Marktplatz von Neapel öffentlich enthauptet, zusammen mit seinem Freund Friedrich von Baden und weiteren Gefährten. Die Hinrichtung eines Sechzehnjährigen von königlichem Blut war ein Bruch mit den Gepflogenheiten und wurde schon von Zeitgenossen als solcher empfunden.

Was danach kam

Mit Konradin erlosch das Haus der Staufer im Mannesstamm. Das Herzogtum Schwaben zerfiel in kleine Herrschaften und wurde nie wiederhergestellt — einer der Gründe, warum der deutsche Südwesten bis ins 19. Jahrhundert territorial so zersplittert blieb.

Für Karl von Anjou war der Sieg teurer, als er dachte. Die Herrschaft der Franzosen in Süditalien blieb verhasst; 1282 brach mit der Sizilianischen Vesper ein Aufstand aus, der die Insel für Jahrhunderte an Aragón band.

Konradin selbst wurde zur romantischen Figur. Im 19. Jahrhundert entstanden Dramen und Gedichte über ihn, und König Ludwig I. von Bayern ließ ihm 1847 in Neapel ein Grabmal errichten. Der historische Konradin war ein Jugendlicher, der einen aussichtslosen Anspruch mit geliehenem Geld verfolgte; die Nachwelt machte daraus einen tragischen Helden.

Häufige Fragen

Wer war Konradin?

Der letzte männliche Staufer, Herzog von Schwaben und Enkel Kaiser Friedrichs II. Er wurde 1252 geboren und 1268 mit sechzehn Jahren hingerichtet.

Warum zog Konradin nach Italien?

Um sein Erbe, das Königreich Sizilien, gegen Karl von Anjou zu beanspruchen, dem der Papst das Reich übertragen hatte.

Wie verlor Konradin die Schlacht bei Tagliacozzo?

Seine Truppen durchbrachen die feindliche Linie und begannen zu plündern, im Glauben gewonnen zu haben. Karl von Anjou warf eine zurückgehaltene Reserve in die aufgelöste Formation.

Warum wurde Konradin hingerichtet statt gegen Lösegeld freigelassen?

Karl von Anjou ließ ihn wegen Hochverrats vor Gericht stellen — für einen gefangenen Fürsten damals ungewöhnlich. Die Hinrichtung eines Sechzehnjährigen von königlichem Blut galt schon Zeitgenossen als Bruch der Gepflogenheiten.

Welche Folgen hatte das Ende der Staufer?

Das Herzogtum Schwaben zerfiel in Kleinherrschaften und wurde nie wiederhergestellt — ein Grund für die spätere territoriale Zersplitterung Südwestdeutschlands.

Quellen

  • Saba Malaspina, Rerum Sicularum historia — Zeitnahe Darstellung des Feldzugs und des Prozesses.
  • Annales Placentini Gibellini — Ghibellinische Sicht auf Tagliacozzo.
  • Santa Maria del Carmine, Neapel — Grabmal Konradins — 1847 von Ludwig I. von Bayern gestiftet.
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