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Die Reichskleinodien — Krone, Lanze und ein Mantel aus Palermo

1424 · Reich & Recht

Die Reichskleinodien sind die Herrschaftszeichen des Heiligen Römischen Reiches: Krone, Heilige Lanze, Reichskreuz, Schwerter, Reichsapfel, Zepter und die Krönungsgewänder. Sie gehörten keinem Herrscher persönlich, sondern dem Reich — ein Kaiser bekam sie zur Krönung und gab sie weiter. Wer sie besaß, hatte ein starkes Argument; deshalb wurden sie über Jahrhunderte verlagert, versteckt und einmal auch politisch missbraucht.

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Die Krone

Die Reichskrone ist ungewöhnlich gebaut: kein Reif mit Zacken, sondern acht durch Scharniere verbundene Goldplatten, dazu ein Bügel und ein Kreuz. Die Achtzahl ist Absicht — sie verweist auf das himmlische Jerusalem, das in der Offenbarung achteckig beschrieben wird. Vier Platten zeigen Emailbilder mit alttestamentlichen Königen, die anderen vier sind mit Edelsteinen und Perlen besetzt.

Ihre Datierung ist umstritten. Die Forschung setzt sie überwiegend in die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts, also in ottonische Zeit; der Bügel trägt den Namen Konrads II. und ist jünger. Sicher ist: Sie wurde über Jahrhunderte benutzt und dabei mehrfach ergänzt.

Auffällig ist, dass sie nicht rund ist. Sie passte nicht jedem Kopf gleich gut — was daran erinnert, dass sie nicht für eine Person angefertigt wurde, sondern für ein Amt.

Lanze, Kreuz und Gewänder

Die Heilige Lanze galt als die Lanze, mit der Christus am Kreuz durchbohrt wurde; eingearbeitet ist ein Eisenstück, das als Kreuzesnagel verehrt wurde. Otto I. führte sie 955 auf dem Lechfeld mit — sie war weniger Schmuck als Feldzeichen mit Heilsanspruch.

Der Krönungsmantel ist der überraschendste Gegenstand. Er wurde 1133/34 in der königlichen Hofwerkstatt in Palermo gefertigt, zeigt zwei Löwen, die Kamele niederringen, und trägt eine umlaufende arabische Inschrift mit Datum nach islamischer Zeitrechnung. Über die Erbschaft der Staufer in Sizilien kam er zu den Reichskleinodien — deutsche Kaiser wurden also jahrhundertelang in einem Mantel gekrönt, der von muslimischen Handwerkern beschriftet worden war.

Nürnberg, 1424

Die Kleinodien hatten keinen festen Ort; sie wanderten mit dem Hof oder lagen auf wechselnden Burgen wie Trifels. Das war riskant: Wer sie in die Hand bekam, konnte damit einen Anspruch untermauern.

1424 übergab König Sigismund sie der Reichsstadt Nürnberg — „ewiglich und unwiderruflich". Nürnberg war reich, gut befestigt und dem König verbunden. Die Stücke wurden im Heilig-Geist-Spital verwahrt und einmal jährlich öffentlich gezeigt; zur Krönung reisten sie nach Frankfurt und kehrten zurück.

Diese Ordnung hielt über 370 Jahre. 1796 rückten französische Truppen heran; die Kleinodien wurden nach Regensburg und weiter nach Wien gebracht. Nach dem Ende des Reiches 1806 blieben sie dort, denn ein Reich, dem sie hätten zurückgegeben werden können, gab es nicht mehr.

1938 und die Rückgabe

1938, nach dem Anschluss Österreichs, ließ Hitler die Reichskleinodien nach Nürnberg zurückbringen. Das war keine museale Entscheidung, sondern eine symbolische: Die Zeichen des alten Reiches sollten das neue legitimieren, und Nürnberg war die Stadt der Reichsparteitage.

Im Krieg wurden sie in einem Bunker unter der Burg eingemauert. Amerikanische Ermittler fanden sie 1945 und brachten sie 1946 nach Wien zurück, wo sie bis heute in der Schatzkammer der Hofburg liegen.

Nürnberg besitzt originalgetreue Kopien. Die Frage, wohin die Stücke eigentlich gehören, ist damit nicht beantwortet — sie gehörten nie einer Stadt oder einem Staat, sondern einem Reich, das es seit 1806 nicht mehr gibt.

Nürnberg wird 1424 dauerhafter Aufbewahrungsort; die Stücke selbst sind älter.

Häufige Fragen

Was gehört zu den Reichskleinodien?

Vor allem die Reichskrone, die Heilige Lanze, das Reichskreuz, Reichsschwert und Zeremonienschwert, Reichsapfel, Zepter, die Krönungsgewänder und das Reichsevangeliar.

Wie alt ist die Reichskrone?

Sie wird überwiegend in die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts datiert, also in ottonische Zeit. Der Bügel mit dem Namen Konrads II. ist jünger.

Warum hat die Reichskrone acht Platten?

Die Achtzahl verweist auf das himmlische Jerusalem, das in der Offenbarung achteckig beschrieben wird. Die Krone ist deshalb nicht rund.

Warum trägt der Krönungsmantel eine arabische Inschrift?

Er wurde 1133/34 in der königlichen Hofwerkstatt in Palermo gefertigt und kam über das staufische Erbe in Sizilien zu den Reichskleinodien. Die Inschrift nennt ein Datum nach islamischer Zeitrechnung.

Wo sind die Reichskleinodien heute?

In der Schatzkammer der Wiener Hofburg. 1938 nach Nürnberg gebracht, wurden sie 1945 von amerikanischen Ermittlern gefunden und 1946 nach Wien zurückgeführt.

Quellen

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